Architekten Wannenmacher & Möller GmbH

ARCHITEKTUR UND INDUSTRIEKULTUR IN DER OSTWESTFÄLISCHEN STADT:

Auszug aus dem Artikel "Existenz gesichert"

Von Hendrik Bohle Architekt, Autor und Stadtforscher, veröffentlicht am 25. Juni 2019.

Drei Häuser, eine Bühne

Die Bühnen und Orchester der Stadt Bielefeld verteilen sich auf drei Häuser, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das Theater am Alten Markt (TAM) befindet sich in einem schlichten Gebäude, in dem sich bis 1904 das Bielefelder Rathaus befand. Das Stadttheater strahlt hingegen sehr viel opulenter. Sein Bau geht auf eine Stiftung der Tabakfabrikantenwitwe Crüwell im Jahr 1885 zurück. Bis zur Grundsteinlegung dauerte es aber noch weitere 20 Jahre. Geplant wurde es vom Berliner Architekten Berhard Sehring, der dort auch das Theater des Westens und in der Lausitz das imposante Cottbusser Stadttheater entworfen hatte.

Das architektonisch interessanteste und akustisch exzellenteste Bauwerk aber ist die Rudolf-Oetker-Halle östlich des historischen Stadtzentrums. Sie wurde zwischen 1928 und 1930 zum Gedenken an den musikbegeisterten Sohn der Bielefelder Unternehmerfamilie nach Entwürfen von Hans Tietmann und Kurt Haake errichtet. Der seicht-monumentale Bau am Rande des gleichnamigen Parks steht auf einem Podest und verzichtet auf jegliche Dekoration. Den sachlich eleganten Haupteingang im Norden betonen eine breite Treppenanlage und neun schmale Bögen, weshalb die Baumeister ihr Werk auch als “Die Neunte” bezeichnet haben sollen. Mit der gelungenen Umwandlung des Garderobenraums durch das Bielefelder Büro Wannenmacher + Möller ist 2018 ein weiterer Bühnenraum für zeitgenössische Formate entstanden.

Oetkerhalle Eine Perle der Architektur der späten 1920er-Jahre. © Jan Dimog
Oetkerhalle. Der neue Garderoben- und Bühnenraum vom Büro Wannenmacher + Möller. Die weichen Stoffe und beweglichen Elemente schaffen einen angenehm zurückhaltenden Kontrast zum historischen Gebäude.